SPD Ortsverein Mettmann
SPD Ratsfraktion Mettmann

Geschichte der SPD in Mettmann

Geschichte

+Heinrich Harre (Archiv der Stadt Mettmann)
+Max Herbig (Archiv der Stadt Mettmann)
+Karl-Heinz Lünenstraß (Archiv der Stadt Mettmann)
+Erich Sommer (Archiv der Stadt Mettmann)
  • Anfang gegen Widerstände
    Der Landrat verkündet 1876 stolz, dass die sozialdemokratischen Sache geschwächt sei und dass „sämtliche Wirthe Mettmanns mit Ausnahme eines Einzigen (sich) geweigert (hätten), den Socialdemokraten ihre Locale herzugeben.“ Eine feste Organisationsstruktur im Sinne eines Partei- und Ortsvereins war in dieser Zeit in Mettmann noch nicht vorhanden. Es wurden aber Parteiversammlungen abgehalten, welche zum Teil geheim und privat, aber auch in öffentlichen Gaststätten stattfanden. Trotz des Dreiklassenwahlrechts hatte sich aber der Hagener Armenarzt Dr. Reincke als Kandidat des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins schon 9 Jahre vorher, also 1867, gegen den konservativen Kandidaten im Wahlkreis Lennep-Mettmann mit ca. 2500 Stimmen Vorsprung durchgesetzt. Sozialdemokratische Aktivitäten wurden in der Folge durch das Sozialistengesetz (1878-1890) unterdrückt. Es gab aber noch die Möglichkeit der Wahrnehmung des politischen Mandats und damit die Teilnahme an Wahlkämpfen. Im Rahmen des Elberfelder Sozialistenprozesses (1889) wurden Namen von Mettmanner Sozialdemokraten erwähnt. Genannt wird z.B. der Weber Johann Wilhelm Besken, der am 8. März 1852 in Mettmann geboren wurde. Bei ihm erfolgte 3.9.1888 eine polizeiliche Haussuchung, bei der jedoch nichts gefunden wurde. Dem Mettmanner Bürgermeister wurde in diesem Zusammenhang mitgeteilt, dass sich Besken in öffentlichen Versammlungen in gehässiger Weise gegen Fabrikanten geäußert hätte. Auch der Weber Robert Adolph aus Mettmann findet in verschiedenen Polizeiberichten Erwähnung. Adolph gehört zu den wenigen, die im Ergebnis des Elberfelder Sozialistenprozesses eine Strafe hinnehmen musste. Er wurde weiterhin polizeilich beobachtet. Die Aufhebung der Sozialistengesetze am 4.10.1890 kommentierte die Düsseldorfer Arbeiterzeitung u.a. durch eine Anzeige:

    Todesanzeige
    Heute starb nach langem und qualvollem Leiden,
    gestärkt mit den Heilsmitteln des Centrums,
    trotz der zärtlichen Pflege des deutschen Freisinns,
    unser innig geliebtes Kind „Ausnahmegesetz“.

  • Persönlichkeiten der Mettmanner SPD in den 20er Jahren
    Die Parteientwicklung lässt sich für die 20er und 30er Jahre nur ungenau rekonstruieren. Die Parteiunterlagen und Akten des Ortsvereins wurden offensichtlich im Vorgriff auf Hausdurchsuchungen durch die Nationalsozialisten 1933 von den Mitgliedern selbst vernichtet. Deutlichere Hinweise gibt es auf die Tätigkeit der Stadtverordneten der SPD. Ab 1919 waren es Heinrich Harre und Gottfried Wetzel, die als städtische Beigeordnete ein Ratsmandat innehatten.

    Heinrich Harre, von Beruf Zinngießer, war am 8.9.1880 in Rühle bei Holzminden geboren worden und kam 1904 nach Mettmann, wo er 1907 Henriette Hepp heiratete. Von 1918 bis 1933 war er Werksmeister bei der Firma Wagner & Englert (1928 G+F). Harre hatte sich schon recht früh den Sozialdemokraten angeschlossen und blieb bis zu seinem Lebensende (gest. 7.6.1957) Mitglied unserer Partei, der er in verschieden Funktionen diente. Berichtet wird, dass er damals, unter französischer Besatzung, den in Werden inhaftierten Bürgermeister Artur Lemke für einige Zeit vertreten hat. Wieder gewählt wurde Harre dann bei der Kommunalwahl vom 7.11.1929. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von den Briten wegen seiner aufrechten Haltung 1946 als Bürgermeister der Stadt Mettmann eingesetzt.

    Nach der zweiten Kommunalwahl von 1948 war er dann bis 1956 Mitglied des Ortsparlaments. Er war Mitbegründer des Bauvereins „Einigkeit“, der später in den Mettmanner Bauverein überging. Heinrich Harre gehörte bis zuletzt dem Vorstand an. Er war immer für die sozialen Belange seiner Mitbürger ansprechbar und genoss daher hohes Ansehen in der Bevölkerung.

    Wahlunterlagen der Kommunalwahl von 1924 geben uns eine ungefähre Vorstellung des Stimmenanteils sozialdemokratischer Wähler. Bei 23 Stadtbeigeordneten waren vier Mitglieder der SPD, und zwar: Gottfried Wetzel, Max Herbrig, Konrad Engelhardt und Emil Korten. Konrad Engelhardt (geboren 24.10.1883 in Breitenbach, gest. 20.3.1955 in Mettmann) war von Beruf Gießer, wohnte in der Talstr. 132a und seine Mitgliedschaft im Rat ist von 1924 bis 1933 belegt. Emil Korten (geboren am 2.11.1884, gest. 25.9.1937) war von Beruf Lagerhalter und wohnhaft in der Bismarckstr. 25. Von 1924 bis 1929 vertrat er die SPD im Stadtrat. Er war auch Leiter des Konsums „Vorwärts Befreiung“. Gottfried Wetzel wurde am 26. September 1858 als Sohn eines Schuhmachers und Heilpraktikers auf der Freiheitstraße 27 geboren. Vom Vater lernte er das Handwerk und auch die Homöopathie. Als "Pölverkesdoktor" und als langjähriger Leiter einer Jugendwehr erlangte in seiner Heimatstadt große Anerkennung.

    Von 1919 bis 1930 war Gottfried Wetzel Mitglied des Stadtrats.1933 trat er aus der SPD aus. Max Herbrig wurde 1881 in Wörlitz geboren. Von Beruf war er Feinmechaniker. Früh engagierte er sich gewerkschaftlich und wurde zuerst Gewerkschaftssekretär in Schweinfurt anschließend in Gelsenkirchen und dann in Mettmann ab 1921 Leiter des Büros des DMV (Deutscher Metallarbeiter Verband). Ab 1924 war er Mitglied des Stadtrates.

  • Genossenschaftliche Selbsthilfe
    Im Rahmen eines genossenschaftlichen Wohnbauprojektes an der Ecke Neander-/Bismarckstraße entstand 1926/27 das noch heute erhaltene Gebäude. In den unteren Räumen wurden an die Mitglieder der Konsumgenossenschaft Lebensmittel zu sehr günstigen Preisen verkauft. In den drei Obergeschossen wurden 12 Wohnungen für Arbeiter eingerichtet. Das Haus hatte eine Zentralheizung und für damalige Zeit einen besonderen Komfort: Jede Wohnung verfügte über eine Toilette und Badezimmer.

  • Arbeiter- Turn- und Sportbund
    Die Mettmanner Arbeiterschaft organisierte sich auf Grund der Sozialistengesetze durch die Regierung Bismarck unabhängig von der Deutschen Turnerschaft in vielen Städten in Sportvereinigungen. Der „Arbeiter-Turnerbund Deutschland“ erstrebte die vollständige geistige und körperliche Ausbildung seiner Mitglieder. Sie traten auch für Völkerfreundschaft ein und lehnten den Militarismus ab. So gab es den Radfahrverein „Solidarität“. Vor allem aber zogen die Handball- und Fußballaktivitäten viele Menschen an. Arbeitersportler trafen sich auch zu nationalen und internationalen Wettkämpfen. Die „Freie Turnerschaft Mettmann“ bot auch den Mädchen Sportgelegenheiten an. Die für die damalige Zeit „liberale“ Turnkleidung mit Hemd und kurzer Hose erregte durchaus einiges Aufsehen.

  • Maifeiern
    Der Einfluss gewerkschaftlich- sozialdemokratischer Tradition auf das städtische Leben lässt sich u.a. bei den Maifeiern nachvollziehen. Einladungen wurden vom Ortskartell der freien Gewerkschaften ausgesprochen. Ein Festumzug der Gewerkschaftsmitglieder führte durch das Neandertal zum Ausflugslokal Hellenbrucher Mühle. Ab 1928 fanden dann die Maidemonstrationen häufig vor der Freitreppe vor dem oben erwähnten Konsum statt. Aus der Erinnerung berichtet der Genosse Heinz Fricke davon, dass die Teilnahme an einer solchen Maifeier nicht ungeteilte Zustimmung in der Schule fand. Er selber habe von seinem Klassenlehrer meistens Hiebe bekommen.

  • Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten
    Direkt nach der Machtergreifung wurden die Wohnungen führender Sozialdemokraten durchsucht. Die Schwarz-Rot-Goldene Fahne wurde auf dem Jubiläumsplatz öffentlich verbrannt. Die Fahne des Reichsbanners wurde von den Nazi-Schergen nicht gefunden. Edmund Winkels, der die Fahne versteckt haben soll, wurde im Vohwinkler Wald von SA-Leuten überfallen und für vier Wochen inhaftiert. Er wurde später entlassen, weil er von der Firma Overhoff dringend gebraucht wurde.

    Eine systematisch angelegte Verhaftungswelle richtete sich von März 1933 ab von Hilden ausgehend gegen Kommunisten im Kreisgebiet, wobei auch viele Sozialdemokraten verfolgt und verhaftet wurden. In Mettmann wurde auf der Koburg im Neandertal eine Internierungsstätte für politische Gefangene aus dem Kreisgebiet eingerichtet. Die großzügig angelegte Fabrikantenvilla aus der Mitte der 20er Jahre wurde von April 1933 an als Wache der SA genutzt und hatte die Funktion, außerhalb der Stadt gelegen, den Naziterror gegenüber den politischen Gegnern vor der Öffentlichkeit abzuschirmen. Über die Greultaten und Folterungen der SA, die auch teilweise zur Tötung einiger Inhaftierten führten, wurde 15 Jahre später (1948) vor dem Wuppertaler Schwurgericht ein zehnwöchiger Prozess geführt, bei dem die menschenverachtenden Grausamkeiten der Täter ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Die Koburg diente bis Oktober 1933 der Internierung, wobei eine enge Verbindung zum KZ Kemna in Wuppertal-Oberbarmen bestand. Bis zu 100 Menschen, darunter auch Mettmanner Sozialdemokraten, waren während des halben Jahres, in dem die SA auf der Koburg wütete, gefoltert und misshandelt worden. Das weitere Schicksal der Opfer ist in vielen Fällen nicht mehr bekannt.

    In den ersten Monaten nach Hitlers Machtübernahme verschlechterte sich die Situation der Gegner der Nationalsozialisten rapide. So stellte die SPD Mettmann für die Stadtverordneten- und Kreistagswahl (12.3.1933) fünf Kandidaten auf. Es waren Max Herbrig, Emil Korten, Heinrich Harre und August Eichenberg. Auf kommunaler Ebene hatte der Mehrparteienstatus offensichtlich noch Gültigkeit. Vorher am 5.März fanden die letzten Reichstagswahlen unter starker Behinderung der Gegner der Nationalsozialisten statt. An der ersten Ratssitzung in der Aula des Realgymnasiums nach der Wahl nahmen noch die Vertreter der SPD teil. Der Raum war mit der Schwarz-weiß-roten sowie mit der Hakenkreuzfahne geschmückt. Wie alle anderen Vertreter der Parteien erklärte Konrad Engelhardt für die SPD mit der jetzigen Regierung zum Wohle der Gemeinde zusammenzuarbeiten. Dieses konstruktive Angebot änderte nichts daran, dass der Stadtverordnete Max Herbrig auf Anordnung der Gestapo in Schutzhaft genommen und darin vom 24.6. bis 12.7.1933 verblieb. Entlassen wurde er, weil seine Frau plötzlich gestorben war. Täglich musste er sich polizeilich melden.

    Um einer neuen Verhaftung zu entgehen, zog er zu seiner Tochter in die Nähe von Suhl, wo er sich ohne Beschäftigung bis 1940 aufhielt. Er kehrte dann nach Mettmann zurück und wohnte abwechselnd bei seiner Tochter und bei seiner Schwiegertochter. Im Rahmen der Verhaftungswelle nach dem Attentat auf Hitler ( 20.7.1944) wurde Max Herbrig für einige Tage in Präventivhaft genommen. Als besonders tragisch sind die Umstände seines Todes anzusehen. Er wurde am letzten Kriegstag in Mettmann am 16.April 1945 im Garten von einem Granatsplitter tödlich getroffen.

    Zu erwähnen ist noch das politische Schicksal von Wilhelm Detering. Er war der ältere Bruder von Heinrich Detering, der nach seiner Zeit als Bürgermeister von Metzkausen 1969 bis 1975 und von 1975 bis 1979 nach der Kommunalreform Ratsmitglied der SPD in Mettmann war. Wilhelm Detering lebte von 1905 bis 1965 und war vor 1933 aktives Mitglied im Reichsbanner. Im März 1933 wurde er verhaftet und für 7 Monate in das Düsseldorfer Gefängnis „Ulmer Höhe“ gebracht. Nach der Entlassung war er arbeitslos und fand dann ab 1940 in der Waagenfabrik des NS-Ortsgruppenleiters Platte eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter. Nach dem Krieg setzte er sich für die Entlassung Plattes aus der Haftanstalt Werl ein.

  • 1945 – demokratischer Neuanfang
    Am 1.10.1945 war Wilhelm Detering eines der 7 Gründungsmitglieder des Ortsvereins Metzkausen. Er setzte sich vor allem für die Siedlergemeinschaft, die aus dem Ortsverein entstand, ein (Neubauten u.a. Kibbenheide, Auf dem Hüls, Kirchendeller Weg). Für Mettmann war er auch tätig als Verbindungsmann der sozialdemokratischen Zeitung „Rheinecho“. Das Vertriebsbüro dieser Zeitung in der Bahnstraße 15 und später in der Freiheitsstrasse 10 wurde von Wilhelm Detering den Mettmanner Genossen als Treffpunkt zur Verfügung gestellt.

    Der erste Nachkriegsbürgermeister, der von den britischen Besatzungstruppen eingesetzt wurde, war Heinrich Harre. Er leitete die Amtsgeschäfte bis zur ersten Kommunalwahl, die am 15.9.1946 stattfand. Bei der jedoch die SPD nur 4 Sitze von 24 gewinnen konnte. Die vier Ratsmitglieder waren der Schreinermeister Heinrich Fricke, der Buchdrucker Otto Bellingrath, der Finanzbeamte Heinrich Furtwängler und der Stellmacher Hans Ziefer. Schon bei der nächsten Kommunalwahl von 1948 veränderten sich die Mehrheitsverhältnisse deutlich. Die SPD gewann 10, die CDU 8, die FDP 3, das Zentrum 4 und die KPD 2 Sitze. Erst mit der Kommunalwahl vom 28.10.1956 gelang der SPD mit einem Stimmenanteil von 43,2% der politische Wechsel in Mettmann. Dieser Erfolg war zu einem erheblich Teil dem Auftreten und dem Engagement von Karl-Heinz Lünenstraß zu verdanken.

  • Bürgermeister und Vollblutpolitiker Karl-Heinz Lünenstraß
    Er wurde in der Ratsversammlung zum Bürgermeister gewählt. Leider verunglückte er am am 16.5.1963 mit seinem Wagen auf der B7 tödlich. Er wurde plötzlich aus einem sehr aktiven politischen Leben gerissen. Zuletzt war er Mitglied des Bundestages und Vorsitzender des Ortsvereins Mettmann, Vorsitzender der SPD im Stadtrat Mettmann und Mitglied des Kreistages. Er wurde am 28.11.1919 in Dahlhausen (Ennepe-Ruhr-Kreis) geboren. Als Kind gehörte er schon den Falken an. Nach Abschluss der Schriftsetzerlehre wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und im Zweiten Weltkrieg war er Soldat bei der Kriegsmarine. Nach dem Krieg beteiligte er sich an der Gründung der IG Druck und Papier. Ab 1947 war er hauptamtlich für die SPD im Geldern, Kleve und Krefeld tätig.1949 wurde er Parteisekretär im Landkreis Düsseldorf. Mettmanner Bürger wurde er dann 1950. Am 9.11.1952 zog er in den Mettmanner Stadtrat als Mitglied ein. Schnell erwarb er sich durch seine sachliche Art und sein rhetorisches Talent öffentliche Anerkennung. 1953 kandidierte er erfolglos gegen Gerhard Schröder von der CDU für einen Bundestagssitz. Erst 1957 und in der Folge 1961 gelang ihm über die Landesliste der Einzug in den Bundestag. Dort war er ordentliches Mitglied des Ausschusses für Inneres. Nach der Kommunalwahl von 1956 wurde er zum Bürgermeister gewählt. Er übte sein Amt mit einem ungewöhnlich starken persönlichen Einsatz aus. Er trat stets für eine vernünftige Zusammenarbeit der Ratsparteien ein und warb immer für einen fairen Ausgleich. In der Sache forderte er zur Diskussion heraus. Er bestimmte, so bezeugt ein CDU-Vertreter, weitgehend den Stil der Ratsarbeit. Unter seiner Führung als Bürgermeister wurden schwerpunktmäßig der Wohnungs- und der Straßenbau vorangetrieben. Die SPD verlor durch seinen unerwarteten Tod einen ihrer populären und befähigsten Vertreter.

  • Bürgermeister Erich Sommer
    1961 verlor die SPD knapp die Mehrheit bei der Kommunalwahl und konnte dann aber wieder bei der darauf folgenden Wahl vom 27.9.1964 in Zusammenarbeit mit der FDP wieder mit Erich Sommer den Bürgermeister bis 1975 stellen. Erich Sommers Leben ist gekennzeichnet von den sozialen und politischen Umbrüchen vom Kaiserreich bis zur Gründung der Bundesrepublik. Er wurde 1885 in Schlesien geboren. Er absolvierte die Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst. 1914 musste er dann an die Front. Er wurde mehrfach verwundet. 1922 wurde er Mitglied in der SPD. Tätig war er an verschiedenen Gerichten/Grundbuchämtern in Frankfurt/Oder, Calau/Niederlausitz und Cottbus. 1933 wurde gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet, weil er angeblich Hitler einen „dummen Jungen“ genannt haben soll. Er wurde vom Dienst suspendiert und sein Gehalt wurde gekürzt. Das Verfahren wurde nach Monaten eingestellt und während der Nazi-Zeit wurde er nicht befördert. Nach dem Krieg wurde er als Antifaschist in Cottbus geschäftsleitender Beamter der Justizverwaltung. 1946 wurde die SPD mit der KPD zur SED zwangsvereinigt. Sozialdemokraten, die sich nicht einordnen wollten, wurden wieder verfolgt. Erich Sommer wollte sich dem kommunistisch-stalinistischen Kurs nicht unterwerfen. Als man ihn verhaften wollte, ist er, ohne irgendetwas mitzunehmen, geflüchtet und mit Hilfe von Freunden nach West-Berlin gelangt. 1950 bewarb er sich um eine Stelle bei der Kreisverwaltung Mettmann als „juristischer Hilfsarbeiter“. Bis zu seiner Pension stieg er zum Leiter des Rechtsamtes auf. Er engagierte sich in der Mettmanner SPD und wurde 1964 zum Bürgermeister gewählt. Die Wiederwahl fand 1969 statt. Seine Bürgernähe wird deutlich an folgenden Verhaltensweisen. Als einmal ein Schülerlotse ausfiel, übernahm er den Dienst. Ebenso führte er einen Blinden, der wenig Unterstützung hatte, regelmäßig zu Spaziergängen raus. Herauszuheben ist sein Einsatz für den Bau des Hallenbades und für die Partnerschaft Mettmann-Laval, die ihm nach den schrecklichen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg gegen Frankreich besonders am Herzen lag. Mit 98 Jahren verstarb er 1993.

  • Die 68er Bewegung verändert auch die Mettmanner SPD
    Die jungen SPD-Mitglieder mischten in den Mitgliederversammlungen mit neuen politischen Ansätzen die SPD auf. Fast eine geschlossene Klasse des KHG trat damals den Jusos bei. Mit der Kommunalwahl von 1969 rückten auch viele junge SPD-Mitglieder in den Rat. Gefordert wurden vor allen Dingen soziale Einrichtungen, wie Altentagestätten, Kindergärten und –krippen. Die Errichtung eines Internationalen Zentrums mit der Zielsetzung der Integration unser ausländischen Mitbürger und die Schaffung eines Jugendzentrums sind hier zu nennen. So gab es heftige Diskussionen um ein „Imperatives Mandat“. Nach einer leidenschaftlichen Rede von Klaus Hänsch wurde das „Imperative Mandat“ mit großer Mehrheit beschlossen. Zwei Mitgliedern des Fraktionsvorstandes traten daraufhin mit sofortiger Wirkung zurück.

  • Kommunale Neuordnung – Zusammenführung der Ortsvereine Mettmann und Metzkausen
    1975 wurde das Amt Hubbelrath aufgeteilt. Metzkausen kam zu Mettmann. 30 Jahre nach seinem Bestehen wurde der Ortsverein Metzkausen, der bezogen auf die Bevölkerungszahl der Gemeinde einen sehr hohen Mitgliederstand hatte (126 Personen), mit dem Ortsverein Mettmann zusammengeführt. Heinrich Detering war als Metzkausener Abgeordneter dann bis 1979 Mitglied im Mettmanner Stadtrat.

  • Kommunalpolitische Schwerpunkte
    Von 1964 über 1969 bis 1974 haben die Sozialdemokraten den Wohnungsbau, die Einrichtung von Kindergärten und Spielplätzen, die Förderung von Altenwohnungen und Altentagesstätten und die Sanierung der Altstadt gefordert. In diesen Jahren begann auch die Planung für eine Stadthalle. Hier forderte die SPD ein Funktionsgebäude, das insbesondere als Bürgerhaus dienen sollte. Die Mehrheit aus CDU und FDP setzte dann die heute vorhandene Stadthalle um, die wesentlich teurer war als das von der SPD favorisierte Bürgerhaus. In den Folgejahren stellte sich dann auch heraus, dass die Unterhaltungskosten für die Stadthalle eine erhebliche Belastung für den Haushalt bedeuteten. Eine verbesserte Nutzung des Gebäudes war leider auch nicht möglich, da weder der Theatersaal noch das Foyer aufgrund nicht vorhandener Umbaumöglichkeiten und fehlender Anlieferzufahrten multifunktional genutzt werden konnten. Die Kostenbelastung stellt bis heute noch ein Problem für die Stadtfinanzen dar. Von den achtziger Jahren an bis ins neue Jahrtausend war die Entlastung der Innenstadt vom Verkehr und die damit verbundene Innenstadtentwicklung ein äußerst kontroverses Thema. Die CDU –FDP Mehrheit hielt, obwohl sich immer deutlicher herausstellte, dass der Bund eine B7n nicht fördern und durch eine solche Umgehungsstraße von der Wülfratherstraße zwischen Metzkausen und Mettmann zur B7 Richtung Düsseldorf die Innenstadt nicht entlastet werden würde, an dieser Planung fest. Die SPD hat kontinuierlich versucht die Spangenlösung der Mehrheit als einzige sinnvolle Lösung darzustellen. Erst als der Kreis die Frage aufgegriffen hat und ebenfalls die Spangenlösung anstrebte, hat sich endlich nach Jahrzehnten die konservative Mehrheit diesem Vorschlag angeschlossen, so dass ab 2013/14 mit dem Baubeginn der Seibelquerspange und der Umgehungsstraße Osttangente, von der Wülfrather- zur Elberfelder Straße, begonnen werden kann. In Mettmann sind viele Politikfelder von der Mehrheit nicht aufgegriffen und bearbeitet worden. Der Wahlkampf von 2004 stand daher unter dem Motto: „Mettmann wach küssen!“

    CDU und FDP haben immer wieder viele notwenige Entscheidungen abgelehnt oder lange aufgeschoben, so dass Mettmann in einen Dornrösschenschlaf gefallen war. So ist eine umfassende Stadtplanung sowohl für die Geschäftstruktur als auch für die Anwohner der Innenstadt als unnötig abgetan worden. Die Angebote für Jugendliche und Kinder wurden permanent reduziert und das Angebot für die offene Ganztagsschule konnte erst mit Unterstützung der Eltern umgesetzt werden. Die Wirtschaftsförderung fristet bis heute ein Kümmerdasein. Auch die interkommunale Zusammenarbeit, die zur Ausgabenreduzierung beitragen kann, ist immer noch nicht nachhaltig in das Bewusstsein der Mehrheit gerückt. Es bleibt also für die SPD-Mettmann noch viel zu tun.

    Quellen:
    Broschüre: 125 Jahre SPD in Mettmann mit weiteren Verweisen
    Medamana von 1969,1978, 2009
    Niederbergische Zeitung Juni 1969
    Autoren: Berthold Becker und Christian Denstorff
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